238
Lur; der aus Liebe zur Charlotte Corday ſein Daſeyn auf dem Blutgerüſte ausgehaucht, und die einen ſo düſtern Schatten auf das Leben des edlen Dichters geworfen. Voll der tiefſten Bewunderung dieſer großen Seele, dieſer edleren Bethina, legte ſie das Buch nieder. Wie weit fühlte ſie ſich noch hinter jener Reinen zurück, die nur mit dem Tode die Gluth ihres Herzens ſtillen, und von der Ewigkeit die Erfüllung ihrer Lebensbedingung erwarten konnte. Roſa ver⸗ trat ein hartes Schickſal nicht ſo entſchieden den Weg, ſie konnte ja, ſie durfte die Erfüllung ihres höchſten Wunſches hoffen, aber ſie war auch zu natürlich, zu einfach, um ſich im ſchlimm⸗ ſten Falle bis zu der ercentriſchen Idee des Selbſt⸗ mordes zu verirren. So ſaß ſie, vergleichend, nachdenkend auf dem Sopha, als es anklopfte und alsbald ein ſchwarzgekleideter Mann hereintrat.
Roſa erhob ſich und ging dem Unbekannten entgegen, der ſich mit ungezwungener Freund⸗ üichteit zu ihr wandte.


