Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Einzelbild herunterladen

18

In dem Augenblicke, in welchem wir eintreten, näherte ſie bald ihre kleinen Hände dem wärmenden Feuer, bald ſpielte ſie mit den Fingern in den lan⸗ gen, ſchwarzen Locken, die in üppiger Fülle auf ihren Hals herabfielen.

Wer dies Mädchen ſo da ſitzen geſehen hätte, würde ſie ſicher eher für ein Bürgermädchen Ma⸗ drids im Nachtkleide, als für die Königin Spaniens und beider Indien gehalten haben.

Um ſo mehr, als ſie ſehr vertraulich mit einer Frau von ganz gemeinem Aeußeren ſprach, welche fünf und vierzig bis fünfzig Jahre zählen mochte.

Dieſelbe ſaß auf einem Feldſtuhle dicht neben der Königin, und es gehörte eben kein großer Scharfblick dazu, um zu ſehen, daß ſie durchaus nicht an den Aufenthalt und das Leben in einem Pallaſte ge⸗ wöhnt war.

Dieſe Frau,— die Amme der jungen Eliſa⸗ betha Farneſe— nannte ſich Laura Pisca⸗ tory, ein Name, der, trotz der rauhen und derben Hülle ſeiner Trägerin, in der Folge von ſo großem Einfluſſe am ſpaniſchen Hofe ward.

Hier und dort ſtanden noch verſchiedene Grup⸗ pen von Hofleuten in dem geräumigen Zimmer, un⸗ ter welchen man den Herzog von Saint⸗Aignan,