Dann unterſchied ich die Formen eines menſchlichen Weſens von untadelhafter Schönheit, welches Gott für mich zu bitten ſchien, und ich fragte mich,— wie ich mir jetzt wohl erinnere,— ob dies wohl mein Schutzengel ſei?“
„Ach! als ich die Augen wieder aufſchlug, war mein Schutzengel verſchwunden, Denkt Euch aber meine Ueberraſchung, als eines Abends,— kaum in Madrid angekommen,— jene himmliſche Erſchei⸗ nung, die ich in meinem Todeskampfe gehabt, meine Blicke abermals traf, und— jetzt mit dem reizenden Körper eines Mädchens bekleidet,— an mir vorüber ſchwebte. Zu gleicher Zeit erfuhr ich, daß der Va⸗ ter dieſes ſüßen Kindes mein Todfeind, der Marquis von Santa⸗Cruz ſei.“
„Nun, theuerſter Vicomte, was hat das zu ſagen, wenn ſich der Engel für Euch als eine gefühlvolle Sterbliche gezeigt?“
„Halt! Abbé, hütet Euch wohl, Donna Ines zu verläumden. Sie iſt ſo klug als ſchön, und ich muß es zu meiner Schande geſtehen, daß ſie mir bis jetzt noch nicht das Recht gegeben hat, daran zu zweifeln.“
„Ei ſeht doch!— Ihr wollt wohl den Geheim⸗ nißvollen ſpielen.“


