———
—
———
„Es iſt heute Charfreitag, Hochwürdigſter,“— entgegnete Santa-Cruz,—„und ehe der Geiſt⸗ liche dieſes Oertchens die Kirche verlaſſen kann, wo⸗ ſelbſt ihn ſeine Pflicht jetzt noch zurückhält, wird der Verwundete allem Anſcheine nach den Geiſt aufge⸗ geben haben. Mögen Eure Eminenz Erbarmen mit ihm haben. Es gilt eine Seele zu retten.“
„Ich wiederhole Euch, daß ich keine Zeit hier zu verlieren habe. Ich ſtieg nur ab, um neuen Vor⸗ ſpann zu nehmen, und muß ſogleich wieder weiter reiſen. Mein Courier hat die Thiere bereits beſtellt. Lebt wohl!— Zwei Worte aber zum Abſchiede: Wenn Euch Euer Leben lieb iſt,— dem Einen wie dem Anderen,— ſo hütet Euch wohl, eine Sylbe von dieſem Zuſammentreffen zu verrathen, und ver⸗ geßt, daß Ihr am Charfreitag des Jahres der Gnade 1741, dem Cardinal⸗Groß⸗Inquiſitor begegnet. Denkt, in dieſer Beziehung an die Hebräer, die der Herr mit dem Tode ſtrafte, weil ſie ſich ihrer Augen bedient,
und zittert, daß ſich ihre Hoheit die Fürſtin Orſini, deren unterthänigſter Diener ich bin, ſich in dieſem Falle jener Bibelſtelle nicht erinnere.“
Und mit dieſen Worten grüßte der Cardinal die Anweſenden mit einem Lächeln voll grauſamer Jronie und verließ den Saal.
———


