27
Ehe, dachte ſie, iſt die innige Vereinigung zweier Herzen, welche unſere Schutzgeiſter mit unzertrennlichen Banden aneinander knüpfen; darum ſagt man auch: die Ehen werden von den Engeln geſchloſſen. Das Band aber, was die Unſichtbaren gewoben, und welches nun die Her⸗ zen aneinander feſſelt, iſt die: Liebe.
Aber da Hannchen nun einmal wußte, wie es mit ihrem Herzen ſtehe und begriffen hatte, was die Ehe ſei, wollte ſie auch Hochzeit machen, und wie andere Mädchen ihren Liebſten ordentlich als Ehemann beſitzen. Konnte fie ſich doch gar kein ſchöneres Verhältniß auf Erden den⸗ ken, als Mann und Frau.
„Sie müſſen es dem Vater entdecken!“— ſagte da⸗ her Hannchen zu Adolph, als Beide darüber einig waren, daß ſie nicht ohne einander leben könnten.„Und ihn bitten, daß er mich Ihnen zur Frau gibt. Denn ohne den Vater können wir uns ja doch nicht heirathen, da ich nicht das Geringſte ohne ſeine Einwilligung thue.“
Adolph ſtand betroffen.
„Nun?“— frug ihn Hannchen—„was haben Sie?— Sie ſind ja ſo verlegen. Fürchten Sie ſich vor dem Vater? da hätten Sie ſehr Unrecht, Adolph! der Vater iſt zwar oft finſter, klagt viel, und kann auch recht


