Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1849)
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oft freundſchaftlich, ſeinen wilden Muth und Zorn zu zügeln; allein dies war vergebens, und er kannte voll⸗ ends keine Grenzen, wenn der Wein, den er über Alles liebte, ſein Gehirn erhitzt hatte. Glaubt mir, junger Mann, ich ſpreche reine Wahrheit, und dies Herz, das dem Grabe ſo nahe, lügt nicht mehr, auch nicht, wenn ich Euch verſichere, daß ſich mein Character dem ſeinen gerade entgegengeſetzt zeigte; denn ich war ſanft, gefühl⸗ voll und fromm und Jeder, der mich kannte, mochte mich leiden. Aber gerade dieſe Erkenntniß, wie hoch ich in geiſtiger und moraliſcher Beziehung über dem Freunde ſtand, weckte in meiner Seele eine Selbſtgefälligkeit, die nach und nach zu Stolz und Hochmuth anwuchs, und jetzt war ich nicht mehr wie früher gut aus unbewußtem Drange, ſondern aus berechnender Klugheit, und ſo ſchlich ſich zugleich ein Gefühl des Mitleids und der Verachtung meines unſittlicheren Freundes in mein unbewachtes Herz.

Bis dahin war uns die Liebe fremd geblieben, als plötzlich ein ſonderbarer Zufall es wollte, daß wir Beide uns in einer und derſelben Neigung begegneten. Es war die Tochter eines der edlen Pfälzer aus Urach, die unſere Herzen feſſelte, und wahrhaftig es war kein Wun⸗ der; denn ſie war an Tugend und Schönheit gleich er⸗