Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1849)
Einzelbild herunterladen

13

Wuchſe und edlen Zügen, deren Todenbläſſe aber ſchauer⸗ lich gegen die ſchwarz ſammte Kleidung abſtach, die ſie trugen. In ihrer Mitte ſchritt, mit leicht geſenktem Haupte, eine überaus zarte weibliche Geſtalt. Auch ihr Antlitz deckte eine ungewöhnliche Bläſſe; aber ihre himm⸗ liſch ſchönen Züge, ihre blauen, ſo ſanft und ſehnfüchtig blickenden Augen, ihre hohe, blüthenweiße Stirne, ihre blonden, weit niederwallenden Locken, die Anmuth ihrer ganzen Geßalt, füllten die ſtaunende Menge mit dem Geſühle andächtiger Hingebung, und dennoch wichen Alle bei deren Annäherung ſchen zurück. Auch ſie war in ſchwar⸗ zen Sammt gehüllt, eine ſilberne Kette mit einem Kreuz von weißen Steinen war ihre einzige Zierde Ein Kranz weißer Roſen ſchmückte ihr holdes Haupt. Auch der dieſen ſonderbaren Dreien voranſchreitende Herold war ſchwarz gekleidet und trug wie die anderen Herolde den Wappen ſeiner Herrſchaft.

Werdenberg lispelte kaum vernehmlich und mit ſtarrem Auge nach der düſtern Gruppe blickend, Adal⸗ bertWer ſind dieſe ſchwarzen Geſtalten?

Werdenberg bekreuzte ſich und flüſterte leiſe:Es ſind die Todten von Luſtenau!

Da brauſte in mächtigen Tönen die Orgel und die heilige Meſſe begann.