Teil eines Werkes 
3. Theil (1845)
Entstehung
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348 Der Kaiſer bedurfte ſeiner ganzen Energie und einer übermäßigen Kraftanſtrengung, um ſich auf dem Pferde zu erhalten.

Die Entdeckung von Vineis' Schandthat, von welcher er übrigens bis jetzt noch Niemanden et⸗ was mitgetheilt, hatte noch bei weitem fürchter⸗ licher auf ihn eingewirkt, als Enzio's Unglück. Denn ſo ſchrecklich, ſo gräßlich dem Vaterherzen das letztere auch war, es blieb ein Unglück, eine von Gott verhängte Prüfung, während der Ver⸗ rath des Kanzlers ſchmachvolle Treuloſigkeit, nie⸗ derträchtige Undankbarkeit, ja widernatürliche Ver⸗ letzung aller geheiligten Naturrechte, ein Frevel an Gott und der Menſchheit war.

Friedrichs großer, herrlicher Geiſt erblickte in der Freundſchaft des irdiſchen Lebens ſchönſten Stern, und wie er ſie zu würdigen gewußt, wie hoch Er, der Kaiſer, der erſte aller Sterblichen, ſie ſtellte, beweiſt eben ſeine Hingabe an Vineis und David. Er zeigte, daß Freundſchaft zu üben ſelbſt Herrſchern Bedürfniß ſei, er ſtellte den Fürſten dem durch Freundesliebe beglückten Menſchen nach.

Mit den Alten hatte auch er geglaubt, Liebe und Anhänglichkeit zwiſchen Freunden ſeien tief in der göttlichen Natur des Menſchen begründet; an der Seite und kräftig unterſtützt von treuen Freun⸗ den wollte er den furchtbaren Kampf gegen die