Teil eines Werkes 
3. Theil (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 341

Sieh, mein Rudi, nun bedarf ich für dies köſtliche Kleinod, für meine Eudoria, einen Schutz und Schirm, einen Arm und ein Herz, ſie zu tra⸗ gen durch die Stürme des Lebens. Aber es muß ein ritterlicher Arm ſein, der ſie auch zu ſchützen vermag, und ein Herz, das ihren hohen Werth er⸗ kennt und zu würdigen verſteht.

Beides habe ich in dir gefunden, Rudi, in dir, der du ſie liebſt. Du haſt mir vor einigen Tagen deine Neigung geſtanden, ich aber habe ſie gekannt, ehe ſie dir ſelbſt bewußt worden.

Erröthet nicht, Kinder!— Wenn es für das Leben, für das Daſein dieſſeits und jenſeits, irgend etwas Wichtiges gibt, ſo iſt es die Liebe, ihre in⸗ nere göttliche Natur, wohlverſtanden: das was ſie, die himmliſche, wahrhaft iſt, nicht was die Men⸗ ſchen oft aus ihr zu machen pflegen.

O, wer ſie faſſen könnte in ihrer Allſeitigkeit! Iſt ſie nicht in ihrem reinſten Sinne, in ihrem höhe⸗ ren Leben, die Trägerin der Seligkeit? Iſt ſie nicht die Uneigennützigkeit, die Aufopferung, die Entſagung, die ewige Hingabe? Iſt ſie nicht ewig und unwandelbar? Steht ſie nicht erhaben über Hoffnung, Furcht und Glauben? Liegt in ihr nicht der einzige Troſt für das arme Menſchenherz? Kann es etwas Höheres geben, als ſein Selbſtbe⸗