Teil eines Werkes 
3. Theil (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Es war eine ältliche Frau von ſanftem Aeuße⸗ ren und weniger ſchönen als geiſtreichen Zügen.

Sie trug das Ordenskleid einer Clariſſin.

David wollte ſie anreden; aber ſie legte den Finger auf den Mund, zum Zeichen, daß er ſchwei⸗ gen möge, öffnete dann behutſam die Thüre des Pavillons und ließ ihn hineinſchauen.

David ſtand entzückt.

Der kleine Saal, deſſen Wände mit Muſchel⸗ werk und Kryſtallen wunderlich ausgelegt und mit friſchen Blumengewinden geſchmückt waren, glich der Grotte einer Meeresgöttin.

Blühende Cactus in den herrlichſten Farben rankten ſich im Hintergrunde in einer Niſche empor 3 und bildeten hier einen lebendigen Thronhimmel, unter welchem auf koſtbarem Divan Davids Wun⸗ derblume ſchlummernd ruhte.

Es war dies ein zartes, ätheriſches Weſen, ein Mädchen, faſt noch Kind und doch von der Glut Italiens gezeitigt.

Die ſchlanke Geſtalt, von einem blendend weißen Gewand umſchloſſen, zeigte die edelſten Formen. Die regelmäßigen Züge waren von einer hohen, ganz eigenthümlichen Schönheit. Kaum konnte man ſich einen hübſcher gezeichneten Mund, ein feineres Näschen, dunklere und längere Augen⸗ wimpern denken, geſchweige denn den Teint des