Teil eines Werkes 
3. Theil (1845)
Entstehung
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Und das Brüllen des Armen ging David durch Mark und Bein und zerriß ſeine Seele, und er ſprang auf und rief: Nein, nein, nein! es kann keine Vernichtung geben; denn mit ihr gäbe es auch keinen Gott und keine Gerechtigkeit, und Leben und Daſein wäre Wahnſinn! Es muß dem Menſchen ein höheres Ziel geſteckt ſein, als nur das thieriſche Leben, und der Geiſt, der die Gottheit ahnt und ihre Geſetze faßt, kann nicht wie ein Hauch verwehen! Und als er noch ſo ſprach, hörte er plötzlich Töne, die ſeinen Ohren ſeit acht Jahren fremd ge⸗ worden.

Es war eine ſanfte Muſik, mehr ſchwermüthig als heiter, die aus der Ferne erklang und ihren Frieden wie Balſam in Davids wundes Herz goß.

Und jener Narr, der noch eben in ſeiner thieri⸗ ſchen Wuth gebrüllt, kam an das Gitter. Noch fletſchte er wie ein grimmiger Tiger ſeine Zähne; aber er ſchwieg und Aug' und Ohr ſuchten inſtinkt⸗ mäßig die Töne.

Und aus den vergitterten Fenſtern ſchauten immer mehr bleiche, verzerrte Geſichter und lachten und horchten und lauſchten.

In dieſem Augenblick trat ein freundlicher Mann im mittleren Alter und von heiteren, gefühl⸗ vollen Geſichtszügen auf David zu. Er grüßte