Teil eines Werkes 
3. Theil (1845)
Entstehung
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des neu zu ſendenden ab. Und war zu zweifeln, daß auch dieſen jene höhere Macht, der an Davids Untergang ſo viel lag, beſtechen würde?

Dem Unglücklichen, dem die Flammenzungen unermeßlicher Leiden eine langſame, qualvolle Ver⸗ nichtung bereiten, iſt der Schein, der Abglanz eines Glücks, ein himmliſches Labſal. Aber ſeine Seele, entmuthigt durch den Fluch des Unglücks, den er, wie den eines Gottes, keuchend durch die Ewigkeit ſchleppt, zittert bei dem Gedanken: auch dieſen letz⸗ ten Abglanz der verſchwundenen Seligkeit zu ver⸗ lieren, und ſo wird ihm auch hier, treu ſeiner Ver⸗ dammniß, die Luſt zur Qual, der Segen zum Fluch, die Erleichterung zur niederdrückenden Laſt.

David fühlte: raube man ihm ſeinen letzten Troſt, die Wunderblume, dann ſei das Meiſterſtück ruchloſer Thrannei vollbracht und er werde, für was er ſeit acht Jahren gelte: wahnſinnig.

Sein Haupt ſank unwillkürlich in ſeine beiden Hände, er ſchloß die Augen und mit der Nacht, die

ihn umgab, ward es ſtiller in ſeinem Geiſte.

Und aus der Tiefe ſeiner Seele ſtieg ein weh⸗ mithiges Wünſchen auf, die gemarterte Bruſt, auf der der Gram wie eine Erdenlaſt ruhte, hob ein Seufzer und er ſprach leiſe: O, wäre ich todt!

Und ſein Geiſt wühlte ſich in dem Begriff: todt! und er frug ſich: was iſt todt? Da gau⸗