Teil eines Werkes 
2. Theil (1845)
Entstehung
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Ach, guter Herr! keinen Scherz, ſagte der Mönch weinerlich. Ihr habt den Bruder Jorda⸗ nus ſchon zu lange warten laſſen.

Jordanus! wiederholte David finſter. Es iſt wahr, er wünſchte mich bald wiederzuſehen, um mir ein wichtiges Geheimniß zu entdecken, und ich kam ſeiner Bitte nicht nach.

Es iſt unverzeihlich! ſagte der Pater, denkt doch nur, ein wichtiges Geheimniß.

Es iſt möglich, verſetzte David noch immer nachdenklich, daß Geheimniſſe für Euch Reiz haben. Ihr habt's ja nur mit Geheimniſſen zu thun, im Beichtſtuhl und außer dem Beichtſtuhl, ja Leben und Welt und eigenes Selbſt bleiben Euch am Ende Geheimniſſe. Ich aber muß geſtehen, daß ich vor nichts einen größeren Widerwillen habe, als vor Wanzen, Höflingen und Geheimniſſen. Das wahre Gute geht nackt wie die Unſchuld und weiß gar nichts von ſeiner ſchönen Nacktheit, während ſich das Böſe hinter den faltenreichen Mantel des Ge⸗ heimnißvollen birgt. Kann ich geſchehene Unthaten

ungeſchehen machen? Wer ſchwer trägt, iſt nicht

lüſtern nach neuen Bürden.

Neues, Geheimnißvolles zu erfahren, iſt doch immer reizend! meinte der Mönch, und dann kann der arme Bruder Jordanus nicht ſterben, wenn Ihr nicht kommt.