werde.*) Aber nicht nur die Minne beſangen dieſe Dichter, ſondern auch die Natur, die Reli⸗ gion, die Ehre— und der Glanz der Fürſten gaben ihnen Stoff zu Schöpfungen und vor Allem noch die Sagen der Vorzeit. Märchenhaft durchklan⸗ gen Deutſchland die Nibelungenſagen, die Lieder von Siegfried, Otnit und Etzel; die Fabeln von König Arthur, ſeiner Tafelrunde und dem heiligen Graal, der Titurell, Triſtan, Parcival und die Märchen von dem Zauberer Merlin.
In dieſe Welt des Kampfes und der Gäh⸗ rung— welche letztere gerade eben jetzt durch Kö⸗ nig Heinrichs Empörung gegen ſeinen Vater den höchſten Grad erreicht hatte— aber auch in dieſes ritterlich⸗ poetiſche Leben treten wir nun ein.
Der ehrwürdige Abt von St. Gallen hatte eben ſeine Mittagstafel im Kreiſe ſeiner erſten Vaſallen und Freunde vollendet, als es im Hofe des Kloſters ungemein lebendig wurde. Pferde wieherten und ſtampſten, Hunde bellten und Troß⸗ buben ſchrien, als ob ſie ſich nicht in dem Banne eines Kloſters, ſondern in dem Hofe einer Ritter⸗ burg befänden. Deſſenungeachtet machte der Lärm keinen beſondern Eindruck, weder auf den Abt, noch ſeine Umgebung, ja aus ihrer Ruhe und
*) Walther von der Vogelweide v. L. Uhland.


