16 Eigenthümliche der Minneſänger aber iſt, daß ſie ihre Gedichte auch gleich in Muſik ſetzten und mit ihren frohen und ernſten Weiſen Arm und Reich, Vornehm und Gering erfreuten oder tröſteten.
Meiſt gehörten dieſe Dichter adeligen Geſchlech⸗ tern an und zogen, wie oben gedacht, von Hof zu Hof, von Feſt zu Feſt.
Schwaben, Oeſterreich und Thüringen, ſowie vor Allen die Abtei St. Gallen zogen die meiſten dieſer Minneſänger heran, wovon die würdigſten Namen Heinrich von Veldeke(1190), Hartmann von der Aue(1200), Gottfried von Strasburg 200), Wolfram von Eſchenbach, Heinrich von Ofterdingen, Raimar der Alte und Walther von der Vogelweide ſind.
Aber auch Fürſten verſchmähten die liebliche Kunſt des Dichtens nicht und Dichter waren die ſchönſte Zierde ihrer Höfe. So hatte unter Ande⸗ ren der gefürſtete Abt Konrad von St. Gallen einen ganzen Hofſtaat von Dichtern um ſich. Der von Singenberg war ſein Truchſeß, der von Lan⸗ degg, gleichfalls ein liederreicher Sänger, des Ab⸗ tes Mundſchenk, Göli ſein Kämmerer, ja Konrad hatte ſelbſt ſchöne Taglieder geſungen, d. h. Lieder, in welchen der Wächter verſtohlene Minne warnt, daß ſie nicht vom Tageslicht überraſcht


