15 Reſidenz, ſondern hielt bald hier bald dort Hof, wie es eben die Verhältniſſe des Reiches erforder⸗ ten. Um ihn aber und ſelbſt um die Höfe der Fürſten ſammelten ſich wie natürlich: die Gelehr⸗ ſamkeit, die Künſte und Wiſſenſchaften und na⸗ mentlich der lebendige Ausdruck des damaligen Zeitalters, die ritterlichen Minneſänger.
Es konnte nicht fehlen, daß die drei Urtrieb⸗ federn jener Tage: Ehre, Liebe und Religion be⸗ gabtere Köpfe zum Dichten begeiſterten; durch⸗ hauchte doch an und für ſich ſchon ein poetiſcher Geiſt alle Lebensverhältniſſe, wozu noch die große Idee der Kreuzzüge, der empfängliche Sinn für die geheimnißvoll ſchaffende Natur und die Ahnun⸗ gen des ſich immer reifer bildenden Geiſtes kamen. Eine ritterliche Begeiſtrung ergriff alle Herzen und that ſich namentlich auch in dem Lobe der Frauen kund, die eine zarte und ſinnige Verehrung, wie Frieden ſtiftende Engel des Lichtes, zwiſchen die toſenden Elemente des Kampfes ſtellte.
Minne— Liebe— war demnach auch der Hauptſtoff, welchen die Sänger behandelten; und zwar war es zum größeren Theile jene keuſche, geiſtige Liebe, welche die Frivolität der Jetztzeit kaum zu ahnen verſteht, jener Gottesdienſt der Schönheit, deſſen Sehnen ein Blick, ein Wort, ein Druck der Hand mit Seligkeit lohnt. Das


