Teil eines Werkes 
2. Theil (1845)
Entstehung
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heit galt auch für den ſchönſten Schmuck des Man⸗ nes. Natur und Wiſſenſchaft, noch in tiefe Geheim⸗ niſſe gehüllt, erhielten die Menſchen in frommen Ahnungen. Und die Religion, wenn auch bis zur Unkenntlichkeit ihrer erſten Reinheit entrückt, hatte ſich doch in ſo ppetiſche Formen geprägt, daß ſie es gerade war, aus welcher der ritterlich⸗dichte⸗ riſche Geiſt wie eine himmliſche Blüte hervorging. Religion war den kindlichen Gemüthern Eins und Alles; aber eben deswegen vermochte ſie auch eine Begeiſtrung hervorzurufen, die wir faſt nicht mehr begreifen, eine Begeiſtrung, die Millionen mit der größten Aufopfrung nach dem Lande trieb, in welchem der Erlöſer gewandelt*), eine Begei⸗ ſterung, die Dome aufführen konnte, welche die Nachwelt nach Jahrtauſenden noch anſtaunen wird.

Zu jener Einfachheit und Religioſität trat aber noch ein drittes charakteriſtiſches Merkmal jener denkwürdigen Zeit. Es iſt dies die hohe und zarte, faſt religiöſe Verehrung, welcher ſich das ſchöne Geſchlecht zu erfreuen hatte.

*) Ich wollte ſelbe Krone ewiglichen tragen, Die möcht' kein Söldner mit ſeinem Speer bejagen, Möchte ich die liebe Reiſe fahren über See, So wollt' ich dann ſingen: wohl! Und nimmermehr: o weh! Walther von der Vogelweide. Maneſſiſche Sammlung I. Thl. 141.