Dahingeſchiedenen verzehrte in dem Feuer der Begeiſtrung noch die letzten Schlacken ſeiner irdi⸗ ſchen Natur und ließ den gottgefälligen Mann, gleich dem Phönir, verjüngt und veredelt den Flammen entſteigen. Das Volk, und ſpäter Rom, ſprachen ihn heilig.
Schon funfzig Jahre nach ſeinem Tode erſtand auf der Stelle, wo er gewohnt, ein Kloſter, wel⸗ ches man zum Andenken an ihn das Kloſter des heiligen Gallus— St. Gallen— nannte. Das Erfreulichſte hierbei war, daß der Geiſt des Hei⸗ ligen auch auf ſeinen Nachfolgern zu ruhen ſchien. Schon der erſte Abt des neuen Gotteshauſes, Oth⸗ meier, gründete eine Schule, in welcher jene durch St. Gallus von Schottland herübergebrachten Kenntniſſe ſorgſam gehegt, vermehrt und fortge⸗ pflanzt wurden. Auch kamen bald neue gelehrte Männer von jener Inſel nach der befreundeten Niederlaſſung und ſchloſſen ſich eifrig den wiſſen⸗ ſchaftlichen Forſchungen der Mönche von St. Gal⸗ len an. Die Schule des Kloſters wuchs an Ruf, die Bibliothek an koſtbaren Handſchriften*) und die Abtei St. Gallen galt während des achten, neun⸗ ten und zehnten Jahrhunderts unbedingt als die berühmteſte hohe Schule Europas. Was ſie aber
*) Johannes Müller fand ſie daſelbſt noch 1780 unter der Rubrik: Scotice scripti.


