Teil eines Werkes 
2. Theil (1845)
Entstehung
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am meiſten auszeichnete, war die freiſinnige, wahr⸗ haft geniale Weiſe, mit welcher man, fern von aller Pedanterie, auch die ſchönen Künſte in den Bereich der Lehrgegenſtände zog; denn während man mit allem Fleiße der griechiſchen und lateini⸗ ſchen Sprache oblag und die großen Werke der älteren Dichter hervorſuchte und ſtudirte, wurden zu gleicher Zeit Künſtler herbeigezogen, Gemälde aus Italien und dem Oriente angekauft und ſo gut Mathematik als Dichtkunſt und Muſik getrieben und geübt.*)

Durch dies Alles gewann aber auch dieſe Klo⸗ ſterſchule einen ſolchen Namen, daß der Adel, na⸗ mentlich der ſchwäbiſche, ja ſelbſt Kaiſer und Kö⸗ nige nicht anſtanden, ihre Söhne nach derſelben zu ſenden, und ſelbſt unter dem ſchönen Geſchlechte wurde von hier aus der Geſchmack für Wiſſenſchaf⸗ ten angefacht; wie denn Hedwig, Herzogin von Schwaben, im 10. Jahrhundert den Rector der Schule zu St. Gallen, den Mönch Eckard, als

*) Gingen doch aus demſelben Manuſcripten⸗Schatze hervor: Quintilian Petronius, Silius Italicus, Valerius Flaccus, Ammian Marcellinus, Cicero(de legibus et finibus und de oratore), Porphyrion über Horaz, Asco- nius, die Commentarien des Rhetors Victorinus und die von Rüdger Maneß veranſtaltete Sammlung deutſcher iche des zehnten bis dreizehnten Jahrhunderts(J. G.

eh.