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Mai des Jahres 1235 im Sinne des Wortes ein Wonnemonat war. Der blondlockige Knabe ſchien ſich aus dem benachbarten Italien verlaufen zu haben und dennoch mußte es ihm in dem rauheren Deutſchland diesmal gefallen; denn er ließ ſich nicht, wie ſonſt nur zu voft, bald wieder ver⸗ ſcheuchen, ſondern ſtreckte ſich wohlgefällig auf die Flur und lächelte Tag aus Tag ein mit der ihm eigenen Freundlichkeit.
Kettete ihn aber eine ſüße Gewohnheit an die Nähe ſeines Vaterlandes Italien, oder war es parteiliche Vorliebe— kurz er wählte die himm— liſchen Thäler der Schweiz zu ſeinem Hauptquar⸗ tiere, und während Großvater Winter noch auf den Bergkuppen und Gletſchern ruhte, ſpielte er zu deſſen Füßen ſchon mit Blumen und Blüten.
In einem dieſer beglückten Thäler, eingepfercht von zwei hohen Bergen und umrauſcht von der Steinach, erhoben ſich zu jener Zeit die Thürme der weltberühmten Abtei von St. Gallen.
Weltberühmt, ja für die Kulturgeſchichte Deutſchlands heilig, war und bleibt dieſer Ort.
Schon im Jahre 630 n. Chr. nennt ihn die Geſchichte. Während nämlich die Nacht des Hei⸗ denthums noch den größten Theil Europas deckte, während Unwiſſenheit und Barbarei in Deutſch⸗ land, im Frankenreiche und in England ihr unheil⸗


