6 Da ſaß er auf dem Throne, geſchmückt mit den Inſignien ſeiner Würde: mit Krone, Scepter und Schwert; umhüllt von Gold und Purpur, um⸗ ſtralt von dem Glanze unzähliger Steine und könig⸗
lichen Schmuckes. Der Ehre Vollgenuß und der
Größe Bewußtſein erfüllten ihn; ſeine edlen Thaten leuchteten wie helle Sterne an dem Himmel der Erinnerung; Dankbarkeit und Wohlwollen blickten ihm fröhlich entgegen— und ach! dennoch, den⸗ noch, fehlte dem Mächtigen ein kleines Etwas, um glücklich zu ſein— ein Herz!
So lange er ſeine Eudoria beſeſſen, begleite⸗ ten den Glücklichen die Gedanken an ſie nie bis zu den Geſchäften. Friedrich war gewohnt, Alles ganz zu ſein, und hütete ſich, die Staatsgeſchäfte zur Geliebten, oder liebende Gedanken mit zu jenen zu bringen. Erſt ſeit er mit ihr den Kern ſeines Lebens verloren, konnte er die Gedanken an ſie nicht los werden; und zwar um ſo weniger, als es all ſeinen Anſtrengungen und Forſchungen nicht gelingen wollte, auch nur eine von den Verſchwundenen zu entdecken.
Friedrich war Manns genug, ſeinen Schmerz zu tragen; aber eben dieſer Schmerz ward zu dem Geier des Prometheus, der beſtändig an ſeinem Herzen fraß. Keine wahre Freude hatte ihn ſeit dem Verſchwinden der Schweſtern mehr angelächelt.


