5 da man nun gar ein kleines ſteinaltes Männchen in daſſelbe hatte ſchlüpfen ſehen, war es natür⸗ lich, daß ſich gar ſchnell wunderbare Sagen über das einſame Zelt und ſeinen Einwohner verbreiteten. Ja der Aberglaube und die Furcht gingen ſo weit, daß ſelbſt die Wachen, welche zur Nachtzeit das Lager der Sicherheit wegen zu durchwandern hatten, dieſe Gegend mieden.
In dem einſamen Zelte aber ſaß unter Qua⸗ dranten, Karten und aſtronomiſchen Inſtrumenten jene dürre Geſtalt, die zu ſo manchen Vermuthungen Anlaß gegeben.
Wol ſiebzig Jahre waren an dem gebrech⸗ lichen Körper des kleinen Mannes vorübergegangen und hatten ſein Haar gebleicht und ſeinen Rücken gebogen. Aber wie nackt auch ſein Scheitel, wie welk und verwittert ſeine Züge, wie tief und hohl⸗ liegend die Augen waren— die Kraft des Geiſtes, die Beweglichkeit des Körpers hatte die Zeit nicht zu zerſtören vermocht; ja Letztere war ſo auffal⸗ lend, daß ſie— gehoben durch den Contraſt, in welchem ſie mit dem Alter ſtand— für einen Zweiten beängſtigend wurde. War es doch, als ob ſtatt des Blutes Queckſilber in den Adern des Männchens eireulire, ſo raſtlos, ſo haſtig bewegten ſich die kleinen dürren Glieder.


