270
Verderben führt. Ich mache keinerlei Anſprüche an
Dich, ich entbinde Dich aller Pflichten gegen mich—
aber merke Dir, Ferdinand!— das Weib, von deſſen treuem Herzen Du Dich freiwillig losgeriſſen und verbannt, gehört nicht mehr Dein— wage es nicht, mich je wiederſehn zu wollen, ich bin todt für Dich— achte den Frieden meines Grabes!“
„Den Knaben, der das Pfand meines welken Glückes, erziehe ich. Nach meinem Heimgang em⸗ pfehle ich ihn Dir, und ich hoffe, Du wirſt bei ihm das heiligſte Gefühl der Natur, die Elternliebe, nicht verläugnen.“
„Lebe wohl und vergiß Deinen unſterblichen Theil nicht.
Auguſte.“
Dies alſo war der Inhalt des Briefes, den Fer⸗ dinand auf Lenor⸗Shire⸗Caſtle empfangen. Als er ihn geleſen, umflorte es ſein Gehirn wie Wahnſinn. Er fühlte, daß er der Mörder ſeiner Gattin, dieſes frommen, guten, treuen Weſens ſei; er war ſich bewußt, ein Herz gebrochen zu haben, das ihn mit der wahrſten, innigſten Liebe, mit felſen⸗ feſtem Vertrauen umfaßt. Er mußte ſich geſtehen: das ſtille, unſchuldige Glück einer kindlichen Seele, die in ihrer


