ſie ſehnte ſich nach keiner heiteren Ausſicht, nach keinem Frühling mehr. Das Leben war für ſie verblüht, welk und abgeſtreift; der Tag zur Nacht, das Licht zur Finſterniß geworden. Keine Thräne benetzte ihr Auge, Niemand erfuhr ein Wort von dem Vorgefal— lenen. Sie war entſchloſſen ihr Leben wie ein Kreuz geduldig auf ſich zu nehmen und es, um ihres armen Kindes willen, ſchweigend zu tragen; aber ſie fühlte auch: der Weg bis zu Golgatha ſei nicht ſo weit.
Ruhig ergriff Auguſte dann Feder und Papier und ſchrieb folgende Zeilen an ihren Gatten:
„Ferdinand!
„Nur einmal noch mag die, für Dich drückende Erinnerung: daß Du Gatte und Vater biſt, an Dir vorüber gehen. Nur diesmal noch; denn ich ſpreche Dich hiermit von allen Pflichten gegen mich frei. Ich habe einen ſchönen Traum gehabt, in dem däuchte mir: ich würde von einem edlen Manne ge⸗ liebt. Ich erwachte— und fand— es war ein Traum. Er iſt vorüber— aber auch meine Liebe iſt mit ihm geſtorben, und nie, nie wird ſie wieder erwachen, wie ein gebrochenes Herz kein Leiden und keine Freude mehr erfüllt.“
„Ich kenne den Weg, den Du wandelſt. Ich
ſchelte ihn nicht. Gott gebe, daß er Dich nicht zum


