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Genial : Roman / von Heribert Rau
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jungen Frau, während ſein eignes Herz vor Kummer und Zorn hätte zerſpringen mögen. Auguſte hörte ihn und hörte ihn nicht. Sie athmete, aber ſie lebte nicht. Sie blickte um ſich und ſah nicht. Der Ge⸗ danke: für alle die unendliche Fülle von Liebe, die ſie ihrem Gatten bewahrt— nichts— gar nichts — bei ihm erwirkt zu haben, als einen flüchtigen Rauſch der Leidenſchaft, der eben ſo ſchnell verbrauſte als er gekommen war— erzeugte in ihrem Innern eine ſolche Leere, eine ſolch' tödtliche Kälte, daß es faſt ausſah, als habe ein gnädiges Schickſal der Lei⸗ denden Bewußtſein, Vernunft und Erinnerung— kurz alle Seelenfähigkeiten— geraubt und ihren Körper nur zu einem pflanzenartigen Weitervegetiren beſtimmt.

Liebe iſt die innerſte Grundbedingung des Daſeins Wo ſie gezeitigt hervortritt und ihre reichen Blüthen treibt, wird ſie die Poeſie des Lebens. Sinkt aber die

Blüthe vom rauhen Sturme geknickt, verſchwindet des

Daſeins Werth, und alles, was uns berührt, geht kalt an uns vorüber, und Alles, was uns entgegentritt, erſcheint uns farblos und ohne Zuſammenhang. Auguſten's Herz hatte dieſe bittere Erfahrung, dieſer tödliche Schlag ſo hart getroffen, daß es ordent⸗ lich wie gelähmt war. Sie weinte nicht, ſie ſaß nur ſtill und in ſich gekehrt, wie eine Erſtarrte; ſo daß