258 Jean Paul ſagt:„Lieber in die offene Wunde
die zweite gebohrt, als erſt in die verharſchte; und
1 lieber ſogleich nach dem erſten Fingerglied das zweite
abgehauen, als ſpäter; denn zwei Schmerzen werden
⁰ faſt zu einem.“ Karl dachte, als ſeine arme Schwe⸗ „ ſter oder vielmehr Schwägerin, nach dem Weggehen Ferdinand's ohnmächtig in ſeinen Armen lag, an dieſe Worte, und zwang ſich darnach zu handeln. Als daher Augu ſte wieder zu ſich gekommen, ſuchte er ſie nicht zu tröſten; ſondern geſtand ihr offen, daß auch er, nach allem was vorgefallen, glauben müſſe, Ferdinand liebe ſie nicht mehr, und habe ſie für immer verlaſſen. Wenigſtens rieth er der armen Wittwe dieſen Gedanken feſt zu halten, da ſie nur auf ſolche Weiſe ſich emporrichten könne; denn Verachtung überwiege den Schmerz, und Verachtung verdiene Wellen, trotz ſeiner vielen ſonſtigen guten Seiten, da er auf ſo leichtſinnige Weiſe das Lebensglück zweier Menſchen zertreten habe. Solle ihn je einſt die Reue erfaſſen und zurückführen fuhr er fort, ſo dürfe Auguſte dies alsdann wie
ein vom Himmel gefallenes Glück betrachten; würde ſich aber, im entgegengeſetzten Falle, nicht in einem
nimmer endenden Schmerze verzehren.
Karl rieth dies mit äußerlich kalter Miene der


