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Genial : Roman / von Heribert Rau
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Lebenswein eben darum um ſo ſüßer ſchmeckt, als er natürlicher iſt.

Wir wollen da oder dorthin ſpazieren gehn, heißt es, und über die Erwartung der Luſt, die wir uns vorgenommen haben da oder dort zu genießen,— gehen wir kalt, immer nur den Blick nach dem Ziele gerichtet, an den tauſend und abertauſend Blumen der Freude vorüber, die rings an unſerem Wege blühen.

Ferdinand dagegen hatte ſich, geleitet durch ſeinen lebhaften Geiſt und ſein ſehr empfängliches Gemüth, eine ganz beſondere Theorie des Genießens geſchaffen, die er aber auch in dem Leben ausführte. Frühes Aufſtehen, das Einathmen der friſchen Mor⸗ genluft, ein ſtärkendes Bad, das Lied eines Vogels, eine ſchöne Blume, eine reizende Ausſicht, ein heiterer Sonnenblick— alle dieſe Kleinigkeiten boten ihm ſo gut Genüſſe und Freuden, als ein gutes Buch, ein ſchönes Schauſpiel, ein treffliches Eſſen, ein Ball u. f. w. Er war, mit einem Worte, ſo klug, keine Freudenblume des Lebens,— auch nicht die kleinſte, — zu verſchmähen; und ſo kam es denn, daß er ſich allerdings einen vollen, üppigen Kranz auf die Schläfe drücken konnte.

Heute griff er, ſo friſch und poetiſch von der