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Genial : Roman / von Heribert Rau
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Leben hie und da. Wellen blickte ſtolz auf die noch immer ſchweigende Stadt, und der Gedanke: noch gewacht zu haben, als ſchon Alles ſchlief, und auch jetzt wieder von den vielen Tauſenden einer der Erſten zu ſein, der zum Leben erwacht, erfüllte ihn mit Entzuͤcken.

„Menſchen!“— rief er in ſeiner Behaglichkeit aus, von dem Kraftgefühl und dem Lebensmuthe der Jugend durchſtrömt—„wie iſt es möglich, daß ihr von eurem kurzen Leben,— in das ſich ſo viele Wünſche, Hoffnungen und Entwürfe drängen, die doch alle erreicht und ausgeführt werden ſollen,— auch noch die größere Hälfte verträumt!?— Sind wir nicht ohnedem Eintagsfliegen?— und iſt es denn eine Luſt nicht zu ſein? Leben heißt ge⸗ nießen. Aber die wenigſten Menſchen ver⸗ ſtehen freilich zu leben!“

Und wie Recht hatte der junge Mann hierin. Die Meiſten ſchaffen ſich eine gewiſſe Anzahl und Art von Sinnenreizen, die ſie dann ihre Vergnügun⸗ gen nennen. Haben ſie einen dieſer Reize genoſſen, richten ſie den Blick eigenſinnig und beſchränkt auf einen beſtimmten anderen, nicht beachtend, daß zwiſchen dieſen ſelbſtgeſchaffenen künſtlichen Genüſſen eine un⸗ endliche Menge ungekünſtelter Freuden liegen, deren

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