Druckschrift 
Genial : Roman / von Heribert Rau
Einzelbild herunterladen

46

denn über das Herz bringen, meine unglückliche Fa⸗ milie nur eine Stunde länger darben zu ſehen, da ich doch, durch Ihre Güte, die Mittel in der Hand hatte, Ihren geſunkenen Muth aufzurichten?— Aber ich vermochte eben ſo wenig mich niederzulegen, ohne dem Manne noch einmal herzlich gedankt zu haben, der mich und die Meinen von dem Jammer des äußerſten Elendes befreite.“

„Laſſen Sie es gut ſein!“— bat Ferdinand— „was ich that, würde jeder Menſch an meiner Stelle gethan haben und wohl noch mehr.“

„Nicht doch!“— rief der Schauſpieler und ergriff heftig die Hand Wellens, auf die eine heiße Thräne niederfiel.

„Ich hatte Ihnen nicht geklagt, Sie um nichts gebeten; aber Ihr edles Herz eilte jedem Worte voraus, und las in meinen kummervollen Mienen, was ich zu ſagen zu ſtolz war. Sie frugen mich ſo herzlich nach der Urſache meines Grames, daß ich Ihnen entdeckte, was ich ſeit Monaten gegen jeden Menſchen verſchwiegen. Und die Art und Weiſe, wie Sie mich beſchenkten, Herr, war wahrlich ſo viel werth, als die Gabe ſelbſt. Ich mußte Ihnen dies ſagen, ich mußte Ihnen den innigen Dank meiner Seele ausſprechen— oder ich hätte mich ſelbſt ver⸗