Druckschrift 
Genial : Roman / von Heribert Rau
Einzelbild herunterladen

21 dem Amte eines Recenſenten geſchloſſen; Letzterer ein Prieſter der Kunſt Thaliens, ein reiſender Helden⸗ ſpieler, der Ferdinand im Parterre des Theaters kennen gelernt, und ſich, da er in dem jungen, frei⸗ giebigen Manne einen Protektor der ſchönen Künſte gefunden, mit den Polypenarmen der Schmeichelei und dem Scheine des herzlichſten Antheils, der größten Seelenharmonie, an ihn angeſchloſſen hatte. Aber auch der dritte Mann war Schauſpieler, doch unter⸗ ſchied er ſich auffallend von ſeinem älteren Kunſtge⸗ noſſen. Sein ſanftes Geſicht überſchattete eine Wolke der Schwermuth, ein Ausdruck tiefen Seelenleidens oder drückenden Kummers. Ueber ſeine einfache ſchwarze Weſte fiel nicht, wie bei Jenem, eine fingerdicke Uhr⸗ kette von ſchlechtem Golde, an ſeinen Fingern blitzten keine Ringe mit großen Steinen aber dafür trug er ſehr feine und blendendweiße Wäſche, und einen, auf das ſorgfältigſte unterhaltenen, wenn auch nicht neuen, Rock. Trüb und theilnahmlos blickte er vor ſich hin, und es bedurfte jedesmal eines freundlichen Ermahnens von Seiten Ferdinands, um ihn zu

bewegen, das Champagnerglas an den Mund zu füh⸗* ren. Die beiden anderen Geſellſchafter ließen ſich

nicht ſo nöthigen, und während ſie dem ſplenditen Wirthe mit einer Art von Unterwürfigkeit zuhörten,