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Genial : Roman / von Heribert Rau
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Landesſprache unterhielten, wobei die Donna vielen Humor zu entwickeln ſchien.

Während ſich aber zwiſchen den beiden Tiſchen ein buntes Gemiſch von Männern aller Stände und Länder auf und ab trieb; während hier eine Geſell⸗ ſchaft munterer Franzoſen, bei gefüllten Champagner⸗ gläſern, über die bon mots lachte, welche die heitere Laune ihrer Glieder improviſirend ſchuf; dort ein ſüddeutſcher Gourmand ſich begierig über eine mäch⸗ tige Hummer hermachte; jenſeits das materielle Ge⸗ ſicht eines Nordamerikaners ſich hinter ein rieſen⸗ großes Zeitungsblatt barg, nahmen zwei andere auffallende Figuren ungefähr die Mitte des Gemäl⸗ des ein, deſſen Umriſſe wir zu entwerfen verſucht haben.

Beide alte Herrn waren, wie ſehr auch im Aeu⸗ ßern verſchieden, nur wenige Jahre im Alter von einander entfernt. In dem Einen konnte man leicht einen Aktenmenſch, einen Beamten, erkennen, ſelbſt wenn er keinen Bandzipfel im Knopfloch getragen; denn ſeine dürre Geſtalt, ſeine kalten, trockenen Züge und die oft wiederkehrenden juriſtiſchen Citate, ver⸗ riethen ihn als einen Jünger der Themis. Dabei behauptete er eine ernſte Miene und ließ eine gewiſſe vornehme Nachläſſigkeit, ſo in ſeinen Bewegungen