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Genial : Roman / von Heribert Rau
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tenen Geſichtes, über welches der Ausdruck eines rührend⸗ſchmachtenden Verlangens gegoſſen war.

Auch ihre Bewegungen, ſelbſt die unbedeutend⸗ ſten, hatten etwas reizendes und anmuthiges, und zeigten denſelben ſchwer zu beſchreibenden Stolz, der auch ihren Gefährten eigen war. Ueberhaupt konnte ein geübtes Auge zwiſchen ihr und dem Spanier, (denn daß Beide Kinder Hiſpaniens waren, ließ ſich leicht errathen) eine leiſe Aehnlichkeit entdecken.

Die fremdartige Tracht der Donna, ihr weites Kleid von ſchwarzem Atlas, die lange ſeidene Man⸗ tille von gleicher Farbe, die Kopf, Schultern und Seiten bedeckte und ſich über der Bruſt kreuzte, gaben ihr in aller Männer Augen noch einen neuen beſon⸗ deren Reiz. Und wahrlich! wenn die Schöne durch die Spitzen der Mantille blickte, die halb über ihre Augen fielen, oder ihre Hände dieſelbe läſſig gleiten ließen, und ſich nun die leichten Formen ihres ſchlan⸗ ken Wuchſes zeigten: müßte der ein Herz von Stein im Buſen gehabt haben, den nicht die Schönheit der Spanierin, wenigſten auf Minuten, gefeſſelt hätte.

Uebrigens machte ſich das Paar keinesweges be⸗ merkbar; ſondern Beide rauchten gemüthlich ihre Ci⸗ garren, indem ſie ſich lebhaft mit einander in ihrer