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Phyſiognomie, eine ganz eigenthümliche, intereſſante und charakteriſtiſche Weiſe, ſich dem Fremden darzu⸗ ſtellen. Größe und Pracht verſchmilzt ſich hier, wie in Wien, mit Gemüthlichkeit; Kunſt und Leben ſind hier heiter und Alles ſucht und Alles zielt nach Genuß. Selbſt die alte Stadt iſt nicht ſo düſter, eng und ſchmutzig, wie Ulm und ein Theil von Augsburg; im Gegentheile zeugen ſelbſt die Wohnungen des Mit⸗ telſtandes von einer gewiſſen Behaglichkeit und alter⸗ thümlichen Eleganz; während die neueren Theile der Stadt jenen Reichthum an ſchönen Bauwerken auf⸗ weiſen, der München den Ruf, eine der ſchönſten Städte Deutſchlands zu ſein, mit allem Rechte erwarb. Was die Gaſthöfe betrifft, ſteht dagegen die Re⸗ ſidenz Baherns, mit Ausnahme des neuen, auf Actien errichteten„Bayeriſchen Hofes“— jeder anderen großen Stadt bei Weitem nach; da man in denſelben gar keinen Begriff von jener Eleganz, Feinheit und Sorge für Gemächlichkeit hat, die man am Rheine in jedem Hotel bewundern muß. Reinlichkeit zumal kennt man hier nicht, wie denn überhaupt die An⸗ forderungen, welche ein ächter Münchner an's Leben macht, einzig darin beſtehen: alle Tage ein gutes
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