Denn Wien, Berlin und Hamburg ausgenommen, gibt es keine deutſche Stadt, welche ſo artige und feine, ja ge⸗ bildete Griſetten und Loretten aufzuweiſen hätte, als die edle Mainſtadt.
Uebrigens wiſſen ſich hier die Mädchen bis in die nie⸗ derſten Elaſſen höchſt geſchmackvoll zu kleiden, und auch die jungen Männer haben mehr Schliff als irgend ſonſt in Deutſchland.
Wenn nur der verfluchte dumme Geldſtolz nicht wäre! der die Menſchen hier wahrhaft embétet, und etwas mehr Intelligenz. Aber es ſind hier drei goldene Külber aufge⸗ richtet, die kein geiſtiges Leben aufkommen laſſen: das Eine ſteht auf der Millionenſtraße und wird von den höheren Claſſen umtanzt mit der Bitte:„Geld! Geld! Geld!“— Das Zweite thront hoch oben über der guten Stadt, und hat Ableger in Bockenheim, Bornheim, Hauſen u. ſ. w., und zu ihm ſchreien namentlich die Handwerksklaſſen:„Gut Eſſen und Trinken!“— Das Dritte aber iſt aus Paris geſchickt worden, und kommt jetzt auf die Zeil. Seine eifrigſten Verehrer ſind die Damen, und die Anbetungs⸗ formel heißt hier:„Nur Putz und Staat!“ ueber dieſe Kälberanbetung werden nur zu Viele ſelbſt zu Kälbern.
Es wird in Frankfurt ſehr viel für eine gediegene Schul⸗ bildung gethan; aber damit iſt es auch fertig. Schüler ünd Schülerinnen machen ihrem Jahrhundert Ehre; haben ſie aber Schule oder Inſtitut verlaſſen, ſo ſind auch ſie verlaſ⸗ ſen; denn es weht eben hier kein Geiſt, der ſie freiſi für ein thatkräftiges bürgerliches Leben erziehen, keine Sym pathie für das Höhere im Leben, die ſie erheben, und zu


