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Freuden und Leiden eines Commis Voyageur / [Heribert Rau]
Entstehung
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Der Mann iſt zartfühlend und artig und es ſchwebten ihm dabei, wie er ſelbſt ſagt:

Feuerröschen, Adonisaugen, Augentroſt, Balſaminen, Vergißmeinnicht, Himmelsſchlüſſel, Heilkraut, Engelſüß, Sam⸗ metblumen, Ehrenpreis, Mannestreue, Maiblümchen, Königs⸗ kerzen, Sinngrün, Sonnenthau, Liebesäpfel, brennende Liebe

ſ. w. vor; da fielen ihm aber plötzlich auch die Namen: Kreuzkraut, Frauenkrieg, Pfeffermünze, Klatſchroſen, Gänſe⸗ blume, Unholdenkerz, Schlangenkraut, Krebsdiſtel, Donnergrün⸗ Sauerklee, Erdgalle, Schwertlilien, Natterkopf, Matronen⸗ kraut u. ſ. w. ein, und ſo zog er klugerweiſe die Sicher⸗ heit ſeiner Augen in Betracht, die er jedenfalls gefährdet haben würde, hätte er die oder jene Schöne mit den letzt⸗ genannten Pflanzen in eine Kategorie gebracht.

Groß würde jedenfalls die Claſſe: Tauſendgulden⸗ kraut geworden ſein, hätte man nur dann noch ein Hunderttauſendgulden⸗ und ein Millionen⸗ kräutchen ſchaffen können, die beide auf dem Frankfurter Boden gut gedeihen.

Roſen kommen weniger hier fort mit Ausnahme der weißen und man wird ſelten ein blühendes, dafür aber deſto mehr feine und intereſſante Geſichter finden. Tournüre haben die Frankfurterinnen, und vor allem An⸗ deren einen feinen Geſchmack, und da das Geld in dieſem Bunde als die dritte Gabe erſcheint, ſo findet man in dieſer Stadt, ſo feine, koſtbare Toiletten, als man nur in Paris

ſehen kann.

Ueberhaupt darf der Frankfurter ſagen:

Mein Frankfurt lob' ich mir! Es iſt ein klein Paris, und bildet ſeine Leute.