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Freuden und Leiden eines Commis Voyageur / [Heribert Rau]
Entstehung
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Ich habe noch nirgends ſo viele Coloſſe als Laſtträger geſehen, wie in Frankfurt. Es iſt unmöglich, Marmor(²), Stein, Bronze(²) und Holz in rauherer Erfindung und größerem Wechſel arbeiten, winſeln und heulen zu laſſen. Nach welcher Seite man ſich immer(in Frankfurt) wendet, ſo ſind es arme Figuren aller Weltabſchnitte, aller Style, aller Geſchlechter, jeden Alters und jeder erdenk⸗ lichen Erſcheinung, die ſich winden und jämmerlich ſeufzen unter ungeheuren Gewichten. Gehörnte Satyre, Nymphen mit flamändiſchen Buſen, Zwerge, Rieſen, Sphynxe, Drachen, Engel und Teufel, kurz ein ganzes unglückſeliges Volk übernatürlicher Weſen, von einem Zauberer, der frech in alle Mythologien zugleich hinein ſündigte, zuſammen⸗ gerafft, in verſteinerte Gehäuſe gebannt, und ſo unter Ge⸗ ſimſe und Tragbalken geſchmiedet und mit dem halben Körper in's Gemäuer hineingezwängt.

Die einen tragen Balkone, die andern Thürmchen(2), die meiſt Beladenen ganze Häuſer. Unter ſolchen titaniſchen Laſten beugen ſich die Karyatiden in allen Stellungen der Wuth, des Schmerzes und der Erſchöpfung. Dieſe neigen den Kopf, Jene werfen ihn halb zurück, andere ſtemmen die gekrämpften Hände auf die Hüften, oder drücken ſie gegen die aufgeblähte Bruſt, die faſt zerſpringen will; da gibt es verachtende Herkuleſſe, welche ein ſechsſtöckiges Haus mit einer Achſel ſtützen und die Fauſt der andern Hand dem Volke weiſen. Da ſieht man betrübte, bucklige Vulkane, die ſich mit ihren Knieen helfen, oder unglückliche Sirenen, deren Schuppenſchwanz ſich an den Bindeſteinen gräßlich zerſchmettert; dort erblickt man erbitterte Chimären, die ſich wüthend unter einander verbeißen; die Einen weinen, die