44
geſehen, denſelben mit einer Cordialität, als ob ſie ſchon ſeit Jahren mit ihm bekannt geweſen wären. So ſonder⸗ bar dies Hartmann im Anfang vorkam, ſo fand er ſich doch bald darein, indem die ungebundene Heiterkeit, die an dem Tiſche der Reiſenden herrſchte, ihm gefiel und er ſtolz darauf war, unter ſo gereisten Leuten als Ihresgleichen zu ſitzen.
Seinem Schapfblicke entgingen dabei ihre nonchalanten Manieren, ihr freies und gebietendes Weſen nicht. Wenn er z. B. zum Kellner ſagte:„Wollen Sie ſo gut ſein, mir noch eine Flaſche Bier zu bringen“— ſo klopften ſeine
Nachbarn nur auf den Tiſch und riefen mit vornehmer
Miene:„Eine Flaſche Bier!“
Zacharias merkte ſich dies Alles um ſo genauer, als ihn der Ehrgeiz anſpornte, ſich in der kurzmöglichſten Zeit ebenfalls jene Routine zu erwerben, welche den Geſchäfts⸗ reiſenden charakteriſirt, und zu der eben jene freien Ma⸗ nieren hauptſächlich mitgehören.
Die Geſellſchaft beſtand übrigens außer Spreitzer aus noch vier Reiſenden, worunter ſich zwei ganz beſonders auszeichneten.
Der Eine— Froſch mit Namen— war ein ältlicher Mann, von unterſetzter Statur. Seine Beine waren zwei Stelzen nicht unähnlich, und ſo dürr, daß es rein unbe⸗ greiflich ſchien, wie dieſe Stöckchen einen ungeheuer dicken Oberkörper und Bauch tragen konnten. Mit den Beinen in gleichem Verhältniß waren die ſpindeldürren Arme, wo⸗ gegen wieder ein ungewöhnlich dicker Kopf auf dem winzi⸗ gen Halſe ſaß. Am ausgezeichnetſten aber war Froſch's Phyſiognomie, und er machte ſeinem Namen Ehre, indem


