33
noch erboster über den Widerſpruch— können denn zwan⸗ zig Perſonen an dem runden Tiſche Platz nehmen?“
„Ich wußte nicht.„
„Hä! ſchrie die Erzürnte, ſchnitt dem Diener eine Gri⸗ maſſe und ſtreckte dem verlegenen Manne die Zunge ſo weit heraus, als es gehen wollte. Dann gab ſie mit einem „Rindvieh!“ der Platte einen ſo gewaltigen Ruck, daß ſie dem erſchrockenen Diener von der Achſel hüpfte und mit ungeheurem Donnern die Treppe hinabrollte. Ernſt und Zacharias drückten ſich, bleich vor Entſetzen, in eine Ecke, um der Zerknirſchung durch das rollende Frionsrad zu ent⸗ gehen, und athmeten erſt wieder auf, als die Platte, in zwei Theile zerſprungen, unten angekommen— die holde Dame oben aber verſchwunden war N
„Kommen Sie!“— ſagte darauf Ernſt verlegen und roth bis über die Ohren—„wir wollen lieber jetzt nicht zur Frau Mutter gehen. Es macht ohnedem nichts, wenn Sie ſie nicht vor Tiſche begrüßen. Sie nimmt's nicht ſo genau.“
Die Stunde der Mittagstafel kam bald heran. Das Eſſen war reich und ausgeſucht, die Weine vortrefflich, die Unterhaltung dagegen langweilig zum Sterben. Dahlmann unterhielt ſich mit einem„Geſchäftsfreunde“ über„Wein⸗ ſtein“ und„Kleeſamen.“ Duppendörſchen fraß wie ein Wolf und konnte daher nicht ſprechen; Ernſt machte der Tochter des„Geſchäftsfreundes“ den Hof, die anderen Gäſte
*) Die Leſer mögen hier den Verfaſſer keiner Uebertreibung beſchuldigen, da derſelbe ſie verſichern kann, dieſer Scene in Perſon beigewohnt zu haben. Die Dame war die Gat⸗ tin— eines reichen und angeſehenen Banquiers.
Commis Voyagenr.


