21 uns ſogar einen Ekel gegen uns ſelbſt ein. Dazu vergiftet uns noch die Angſt vor widerwärtigen Folgen den fröh⸗ lichen Lebensmuth, und geht es uns gar erſt wie Zacharias, d. h.— haben wir etwas Wichtiges vorzunehmen, ſo iſt uns die ganze Sache von vorn herein entleidet; denn der Muth gebricht, und es ärgert uns— wie der Deutſche ziemlich plump ſagt— die Laus.
Der junge Hartmann war ein Opfer ſolch' peinlicher Gefühle, und— bei Gott!— er hätte ſich den kleinen Finger abhauen laſſen, hätte er ſich nicht ſo gewaltig vor ſich ſelbſt und vor Erinnerungen an Clariſſen ſchämen müſſen. Dazu ſollte er den neuen Principalen ſeine Auf⸗ wartung machen, ein Gang, der ihm um ſo ſaurer wurde, als das verwöhnte Söhnchen ſich damit zum erſtenmale un⸗ ter die Botmäßigkeit fremder Menſchen begeben mußte. Unglückſeligerweiſe hatte ihn auch ſein Vater auf heute per Poſt aviſirt— und ſo blieb denn dem Aermſten nicht ein⸗ mal die Hoffnung eines Verzuges.
Der Zuſtand des Kämpfens und Schwankens iſt immer der ſchrecklichſte; er dauerte bei Zacharias, bis er raſirt und friſirt in die Beinkleider gefahren. Von dem Augenblicke, in dem er wieder die Hoſen anhatte, fühlte er ſich auch wieder Mann, und ohne ferner Notiz von ſeiner ſchönen Nachbarin zu nehmen, machte er ſich ſofort auf den Weg nach dem Geſchäftshaus der Herren Dahlmann, Dunkert, Duppendorf, Compagnie und Conſorten.
Der Vortheil einer kleinen Stadt liegt auf der flachen Hand: man hat, ſucht man irgend Wen, nicht lange nach ihm zu fragen und zu forſchen; denn die ganze Bevölke⸗ rung kennt ſich untereinander ſo genau, daß ZJeder weiß,


