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Freuden und Leiden eines Commis Voyageur / [Heribert Rau]
Entstehung
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Zorn umbringen können, und wer kann wiſſen, was er gethan haben würde, wenn ihn nicht die edle Philoſophie aus ſeiner Verzweiflung und Selbſtverachtung gerettet hätte. Denn ge⸗ rade, als er die letzte Taſſe Kaffee hinunterſtürzte, fiel ihm bei, daß doch Alles im menſchlichen Leben Beſtimmung ſei.

Wie, rief er aus und zählte ſeine Fata an den Fin⸗ gern ab,war es nicht unſelige Beſtimmung, daß ich ge⸗ rade mit jenem Wagen reiſen mußte? Vermied ich nicht ſorgfältig bis zum Anſchauen alle Frauenzimmer, bis der Teufel die Revolution ausbrechen ließ, und mir die Jüdin auf den Schooß ſetzte? Wollte ich nicht imTrauben einkehren, und kam, ich weiß kaum wie, in denſch warzen Bock? war es nicht abſichtliche Tücke des Schickſals, mich zwiſchen Küſſe und Seufzer zu quartiren? konnte ich etwa etwas dafür, daß jene unglückſelige Thüre nicht verſchloſſen war und daß die Närrin meine ärztliche Hilfe anſprach? Nein, das war zu viel für einen Menſchen, da hätte der feſteſte Charakter unterliegen müſſen wenn es nicht ſchon im Voraus beſtimmt geweſen wäre. Und fügte er beruhigt hinzu, indem er ſich zum Ankleiden erhob:Was vermag der arme Sterbliche gegen des Schick⸗ ſals unumſtößliche Beſtimmungen!

Glückliche Philoſophie, oder vielmehr Sophiſterei, die du den Menſchen durch ein paar Wendungen der Sprache, mit welchen er ſich ſelbſt, wenigſtens auf Augenblicke, täuſcht, aus der düſteren Verzweiflung emporhebſt, um ihn dem Leben und ſeinen alten Verirrungen um ſo ſicherer wieder zuzuführen!