unterſteht ſich, zu ſagen: mein Kind habe die Blattern?— Grind hat es und weiter nichts!“ „Und iſt das Nichts?“— entgegnete die andere Jüdin
und fing laut zu weinen an.—„Wenn wir nun auch die unſaubere Krankheit bekommen!“— „Ja,“— rief die Andere aus dem Coupé,„und am
Ende todt nach Hauſe kommen!“
„Himmeltauſend Donnerwetter!“— donnerte der Frank⸗ furter Seifenſieder dazwiſchen und hielt ſich beide Ohren zu, — Weiber bringt mich nit um mit Eurem verfluchte Geſchrei!“
„Kinder!“ ſagte der Landgeiſtliche mit gefalteten Händen.
So jammerte die verzweifelte Schöne vom Cabriolet herab; ſo klagte, tobte, fluchte auf der einen, und verthei⸗ digte ſich auf der andern Seite die Geſellſchaft im Wagen. Endlich, nach undenklicher Mühe gelang es dem Conducteur, den Kampf auf einen Augenblick zu unterbrechen, und den Klagenden darzuthun: daß das beſchuldigte Kind die Blat⸗ tern durchaus nicht habe, ſondern in aller Ordnung geimpft worden ſei und im Augenblick nur an einem geſunden Ausſchlag leide.
Aber dies war vergebliche Mühe; Niemand ſchenkte dieſer Rede Glauben, der gelaſſene Conducteur wurde mit Beſchul⸗ digungen überhäuft und der Teufelslärm fing auf's Neue an.
„Iſt denn kein anderer Wagen zu haben?“ herrſchte die Rednerin im Cabriolet dem Wirthe zu, der ſich ſeinen dicken Bauch vor Lachen hielt, und kaum mit einem:„O ja, Mamſellchen!“ antworten konnte.
„Ein recht bequemer zweiſpänniger Wagen,“ fuhr er, nachdem er ſich erholt hatte, fort.„Ich laſſe ſogleich ein⸗ ſpannen, wenn Sie befehlen.“
—


