ihr Geſicht, und ihre Züge belebte ein wunderbares Feuer und ihre Augen blitzten wie die einer begeiſterten Prophe⸗ tin.„Siiſt doch wahrhaftig nit erlaubt, daß mer Kinder, die die Blattern— die Blattern, die natürlichen Blat⸗ tern ſage ich, habe, zu einer ordentlichen Geſellſchaft in den Wagen nimmt?— Können Sie ſolche unverzeihliche Nach⸗ läſſigkeit, durch welche nicht nur dieſe Geſellſchaft ſelbſt, ſondern auch ein ganzes Land angeſteckt werden kann, ver⸗ antworten?— Da könnt mer doch ſelbſt krank wäre?— Bezahlt man nicht ſein gutes Geld, um geſund und wohl⸗ behalten an Ort und Stelle geliefert zu werden? Und iſt dies möklich, wenn man mit ſolchen unreinen Perſonen zu⸗
ſammen kömmt?— Großer Gott!“— fuhr ſie jammernd fort—„am Ende bin auch ich angeſteckt von dieſer ent⸗ ſetzlichen Krankheit, ich fühle ein Brennen— ein Jucken
— ach, ich bin gewiß angeſteckt, die ganze Geſellſchaft iſt angeſteckt und des Todes. Malchen! Malchen! meine arme Freundin, um Gotteswillen komm' doch aus dieſem ſchau⸗ derhaften Kaſten heraus!— So wahr wir Alle einen Gott haben, Du biſt des Todes!— o unglückſeliger Gedanke, mit ſo e Wagen zu reiſen!“
„Aber, Fräulein,“ entgegnete der Conducteur mit halb vor Lachen erſtickter Stimme,„ich kann Sie verſichern....“
„Wie können Sie lachen,“— rief empört die Redne⸗ rin des Cabriolets,„wo es Tod und Leben Ihrer Paſſagiere gilt?!“
„Was!“— kreiſchte in dieſem Augenblicke die Mutter des Kindes, welche unſchuldiger Weiſe dieſe Scene verurſacht hatte, aus dem Wagen:„Was will die Mamſell?— Blat⸗ tern?— Wer hat Blattern? Wo ſind Blattern?— Wer


