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Freuden und Leiden eines Commis Voyageur / [Heribert Rau]
Entstehung
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gab, den Eindruck zu verwiſchen, welchen die ſchöne Jüdin auf ihn gemacht, wie ſehr er ſich ſchwach und veränderlich, treulos und falſch ſchalt, wie er auch das Bild der erſt ſo kurz verlaſſenen Geliebten heraufbeſchwor es war vergebens. Die Farben jenes Heiligenbildes erblaßten vor dem Glanze der gegenwärtigen Schönen und die ſtille, fromme Liebe zu der Fernen wich einer ungeſtümen Gluth

für die Nahe. Er zitterte und wußte nicht warum. Mit

raſchen Schritten ging er im Zimmer auf und ab, und ſtürzte bei jedem Gange ein Glas Wein hinab. Endlich, nach langem innerlichen Kampfe, blieb er mit verſchränkten Armen ſtehen und frug ſich, ſein Gewiſſen begütigend:Iſt es denn ein Verbrechen, ein ſchönes Mädchen anzuſehen? und läßt ſich dies auf längeren Reiſen vermeiden? An⸗ ſehen, ſie ſchön finden, iſt doch wahrlich nicht Treue brechen? Schaue nur auf! Trotz aller Feueraugen ſoll und kann keine Schöne der ganzen Welt meine himmliſche Cla⸗ riſſe aus meinem Herzen verdrängen!

Mit ſolchen Gedanken ging er zum Wagen zurück.

Hier aber war unterdeſſen eine völlige Revolution aus⸗ gebrochen. Weinen, Schreien, Zanken und Fluchen tönte aus dem Innern des Omnibus, und Niemand war im Stande, auch nur ein vernünftiges Wort zu unterſcheiden oder zu verſtehen; ja die Revolution hatte ſich ſogar nach Außen hin verbreitet, indem eine der ſchönen Jüdinnen den Platz des Reiſegefährten unſeres Zacharias eingenommen hatte, und nun von ihrer Höhe herab mit erzürnter Miene und erhobener Stimme perorirte und parlamentirte.

Iſt das erlaubt? rief die erboste Schöne dem lachenden Conducteur zu und eine dunkle Röthe