Teil eines Werkes 
1. Band (1851)
Entstehung
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257 kaum unterdrücken. Die gute Aebtiſſin fiel mir ein, die mir ſo oft geſagt hatte, es ſei ſo ſchwer den Verſuchungen der Welt zu widerſtehen. Ich kannte meine Pflicht, dem Vater zu gehorchen, aber ich hatte ſtets im Kloſter gehört, es ſei eine Sünde, ins Theater zu gehen. Was ſollte ich thun! Ich weinte den ganzen Vormittag, und nahm mir vor, im Theater mich auf keinen Fall zu unterhalten, ſondern meinen Amethyſt⸗Roſenkranz, den mir die Aebtiſſin geſchenkt hatte, verſtohlen mitzunehmen, mich durch gar nichts in meinem andächtigen Ge⸗ bete ſtören zu laſſen. Der Abend kam, ich zog mich an und ſetzte mich mit meinem Vater in den Wagen. Wir hatten eine Loge im erſten Rang, die glänzende Beleuchtung, die gefällige Muſik über⸗ raſchten mich, doch als der Vorhang aufging, ſchlug ich mein Auge nieder, ich wollte die Bühne nicht ſehen, ich zog leiſe meinen Roſenkranz hervor, ver⸗ barg ihn unter meinem Schnupftuch, damit ihn mein Vater nicht bemerke, und ließ eine Perle nach der andern im andächtigen Gebete durch die Fin⸗ ger gleiten. Man gab die Phädra von Racine; 17