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Jede von uns hatte ein kleines Blumenbeet, das ſie ſelbſt bearbeitete, in dem ſie Blumen pflegte und ſie begoß, und wenn ſie aufgeblüht waren, banden wir Kränze und hingen ſie in der Kloſter⸗ kirche um die Altäre und die Heiligenbilder, und welche die Blumen am geſchmackvollſten ordnete, der wurde die Auszeichnung gewährt, daß ſie die Statue der heiligen Jungfrau bekränzen durfte. Nit dem Lernen wurden wir nicht viel geplagt; den Catechismus wußten wir natürlich auswendig, wir lernten heilige Melodien ſingen, und freuten uns, wenn am Gründonnerſtage die Kloſterkirche bei dem Miſerere ganz voll wurde, und ſich geßen den Chor wandte, wo wir ſangen⸗ Im Rechnen, in der Geographie und franzöſiſchen Sprache un⸗ terrichteten uns die Nonnen und unſer Beichtvater, ein freundlicher alter Mönch, der uns ſtets Bon⸗ bons unter der Kutte mitbrachte und ſie verſtohlen unter uns austheilte, kam wöchentlich zweimal zum Religionsunterricht; er trug auch die Weltgeſchichte vor, natürlich behandelte er die bibliſche Geſchichte ſehr ausführlich, ich kannte die Reihenfolge der Könige von Juda und Samaria weit beſſer, als


