Teil eines Werkes 
2. Band (1851)
Entstehung
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Nichts hinderte unſere Verbindung, ihre Eltern fanden ſie ſehr annehmbar und in wenigen Mo⸗ naten, ſo hoffte ich, ſollte unſere Vermählung ge⸗ feiert werden, als mich plötzlich ein Geſchäftsbrief in die Hauptſtadt rief. Ein Prozeß in Hinſicht des Teſtaments meines Großvaters ſollte entſchie⸗ den werden; mein früherer Vormund hatte ver⸗

ſchiedene Anſprüche ſchon gegen meinen Vater gel

tend gemacht; doch ich kümmerte mich nicht viel um den Ausſpruch des Gerichtes, mein Sinn war nicht auf Vermögen gerichtet. Meine Braut weinte als ich ſchied und ich bat meinen Vetter, meinen beſten Freund, wie ich glaubte, ſie oft zu ſehen, um mir fleißig Nachricht über ſie zu geben. Meine Abweſenheit verzögerte ſich, der Prozeß hielt mich lange in der Hauptſtadt zurück; die Briefe des Mädchens athmeten die innigſte Liebe, endlich wurde die Streitſache entſchieden; ein bedeutender Theil meines Vermögens wurde meinen Verwand⸗ ten zugeſprochen. So ungerecht auch dieſes Ur⸗ theil war, ſo freute ich mich doch, daß mein lan⸗ ger Aufenthalt in Wien dadurch nun endlich ein Ende nahm. Ich eilte zurück zu meiner Braut,