Teil eines Werkes 
2. Theil (1855) Familiengeschichten
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

zu erhalten. Nun, das Teſtament des Onkels mußte das ja Alles ordnen; hatte ſie auch den Geliebten ſelbſt nicht erhalten können, ſein Werk mindeſtens, an dem er mit ſolchem Eifer ge hangen und von dem er ſich ſoviel ſchöne Früchte verſprochen hatte, ſollte nicht verloren gehen. Die junge Witwe fühlte auf einmal einen Unternehmungsgeiſt in ſich, von dem ſie ſelbſt früher nichts geahnt; galt es doch dem Andenken ihres Mannes. Gern hätte ſie der Eröffnung des Teſtaments in Perſon beige⸗ wohnt, beſonders auch um ſich bei dieſer Ge⸗ legenheit in den Armen der Schweſter, deren Briefe ihr ſchon ſeit längerm gar nicht mehr recht gefielen, ausweinen zu können. Allein die Pflichten gegen das neugeborene Kind nö⸗ thigten ſie, von dieſem Wunſche abzuſtehen. Auch ſteht die Zeit ja nie ſtill, ob wir lachen oder weinen. Auch der verhängnißvolle Termin rückte näher und näher. Und jetzt endlich war