Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
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daß Mitternacht vorüber und daß der Tag ſich nä⸗ herte. Ich ſah um mich und konnte jetzt wenigſtens ſoviel erkennen, daß ich dicht an einer Schlucht ſtand, welche der Fels hier bildete; von wilden Brombeeren halb verwachſen, bot ſie eine erwünſchte Zuflucht und da ich mich müde fühlte auf den Tod und meine Füße mir den Dienſt verſagten, ſo beſchloß ich, bis zunt völligen Anbruch des Morgens hier auszuruhen. Ueberdies gewahrte ich eine Landſtraße in der Nähe; alſo ſelbſt wenn Emil mich verfolgen und einholen ſollte, ſo durfte ich hoffen, auf Menſchen zu treffen, deren Beiſtand ich anrufen konnte.

Ungefähr eine Stunde mochte ich geſchlummert haben und ſchon vergoldete die Sonne die oberſten Spitzen der Felſen, als ein leiſes heiſeres Singen in meiner Nähe mich weckte; es war die Melodie eines Wiegenliedes, das ich ſelbſt meinem kleinen Hermann zu fingen pflegte und unwillkürlich, wie ich aufwachte, dachte ich, ich wäre zu Hauſe und griff mechaniſch nach ſeinem Bette, das hart vor dem meinen ſtand.

Aber die Stacheln der wilden Brombeeren, in die ich gegriffen hatte, weckten mich völlig; ich fuhr auf und ſah keine hundert Schritte von mir, zunächſt an der Landſtraße, einen Mann, auf einem Steine hockend, mit einem Etwas in den Armen, das wohl ein

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