Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
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die Geſichter der Wirthsleute hatten wenig Zutrauen Erweckendes. Aber ich ſollte ja Hermann hier finden; wie ſchlug mein Herz, da der Wagen ſich meinem Ziele näherte und da ich jeden Augenblick erwarten durfte, ſein geliebtes Antlitz zu begrüßen! Wie er ſich verändert haben mochte in den langen Jahren! Und welchen Eindruck ich ſelbſt wohl auf ihn machen würde! Ich kam mir in dieſem Augenblick ſo alt, ſo verkommen vor in meinen ſchlichten Reiſeröckchen...

Aber meine Erwartung ſollte nur zur Hälfte erfüllt werden und ach, nur zu einer ſehr geringfügigen Hälfte. Denn nur Emil traf ich an, nicht Hermann. Er that ſehr beſtürzt über meine Ankunft; ob ich denn nicht die ſchriftliche Gegenordre erhalten, die er heute früh durch einen Erpreſſen an mich abgeſchickt; Hermann's Abreiſe von England habe ſich durch un⸗ erwartete Hinderniſſe verzögert und dürften wir ſeiner Ankunft erſt zwei oder drei Tage ſpäter entgegen ſehen. Emil ſchlug mir vor, ihm entgegen zu reiſen: aber aus einer mir ſelbſt unerklärlichen Bangigkeit lehnte ich ſeinen Antrag ab.

So vergingen zwei, drei Tage in dem öbden, einſamen Wirthshaus und kein Hermann kam. Was ich in dieſer Zeit litt, iſt unbeſchreiblich. Die natürliche Stimme des Herzens war ſtärker als alle Verblendung