Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

265

der Leidenſchaft; nicht ihm, dem Kommenden, eilten meine Gedanken entgegen, ſondern rückwärts eilten ſie in das Haus, das ich verlaſſen, und das nun einſam ſtand, ohne Herrin, ohne Mutter. Von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute begleitete ich jeden Schritt und Tritt der Zurückgelaſſenen mit grauſamer Umſtändlichkeit malte ich mir aus, wie Rudolph ſich jetzt vom Lager erhob, wie er ſich wunderte, daß ich ihm ſeinen Frühtrank nicht in Perſon brachte, wie er murrte und polterte, endlich zu mir herüberſchickte, Niemand mich fand, mein Kind mich ſuchte, mein theures Kind— und mich ebenfalls nicht fand!! Gern, unendlich gern wäre ich zurückgekehrt; aber mir fehlte der Muth, der elende Muth.1 Emil ging ab und zu; ich bekam ihn wenig zu ſehen. Wenn ich nach Hermann fragte, gab er mir halb confuſe, halb verdrießliche Antworten. Endlich, am dritten oder vierten Tage, erklärte er Hermann's Ausbleiben ſelbſt nicht begreifen zu können, daſſelbe fange an ihn zu beunruhigen; da ich es ab⸗ geſchlagen habe, Hermann entgegen zu reiſen, ſo bitte er wenigſtens für ſich um die Erlaubniß, voran rei⸗ ſen zu dürfen— „Wie?!“ fiel ich ihm entrüſtet ins Wort,„ver⸗